Warum die Vermögensteuer die falsche Antwort ist
Das eigentliche Finanzloch liegt woanders — und es ist viermal so groß.
Berlin, 28. Mai 2026
Vermögen wachsen – doch löst eine Vermögensteuer das Problem?
Eine aktuelle Studie zeigt: Die Vermögen der Superreichen steigen mit den Börsenrekorden, während die arbeitende Mitte zunehmend belastet wird. RTL stellte die Frage, ob eine Vermögensteuer das Finanzloch schließen kann.
Köblers Meinung zu Vermögenssteuer ist klar: Sie ist das falsche Werkzeug.
Warum die Vermögensteuer bereits gescheitert ist
Das Bundesverfassungsgericht setzte die Vermögensteuer 1995 aus gutem Grund aus: Die Bewertung schwankender Vermögen konnte nicht gerecht, stichtagsgenau und verlässlich erfolgen.
Diese strukturellen Probleme bestehen bis heute und verhindern eine rechtssichere Umsetzung.
„Eine Vermögensteuer auf schwankende Aktienkurse ist verfassungsrechtlich problematisch und administrativ kaum machbar.“
Zusätzlich verschärft der Personalmangel in der Steuerverwaltung die Lage: Bis 2030 wird rund ein Drittel der Beschäftigten fehlen. Eine umfassende Vermögenserfassung würde dringend benötigte Ressourcen binden.
Das eigentliche Problem: 100 Milliarden Euro Steuerbetrug
Während politisch über die Vermögensteuer diskutiert wird, entgehen dem Staat jährlich rund 100 Milliarden Euro durch Steuerbetrug und Finanzkriminalität.
Das entspricht mehr als dem gesamten Budget für Bildung und Forschung — und ist viermal so viel, wie die Vermögensteuer je eingebracht hat.
„Wer Haushaltslöcher beklagt und die 100 Milliarden Steuerbetrug nicht ausspricht, verschweigt den größten Hebel, den der Staat hat.“
Dieses Geld ist dem Staat bereits rechtlich geschuldet. Es geht nicht um neue Steuern, sondern um konsequente Durchsetzung.
Notwendige Maßnahmen
- Mehr Personal in den Finanzämtern
- KI-gestützte Risikoprüfung
- Europäische Vernetzung und digitale Meldesysteme
Drei Hebel für ein gerechtes Steuersystem
1. Arbeitende Mitte entlasten
Beschäftigte, Selbstständige und Mittelstand tragen die Hauptlast. Die Besteuerung von Arbeit muss reduziert werden – als wirtschaftliche Notwendigkeit.
„Wir kämpfen für die, die jeden Morgen arbeiten gehen. Nicht gegen die Reichen — sondern für ein gerechtes System, das funktioniert.“
2. Steuerkriminalität konsequent bekämpfen
Die Methoden der Steuerprüfung müssen modernisiert werden.
- Spezialisierte Ermittlerinnen und Ermittler
- KI-gestützte Analyse und Echtzeitdaten
- Digitale europäische Zusammenarbeit
„Wir prüfen Vermögen des 21. Jahrhunderts teils mit Methoden der 90er Jahre. Das muss sich ändern.“
3. Erbschaftsteuer reformieren
Die bestehenden Verschonungsregeln stehen erneut vor einer verfassungsrechtlichen Prüfung. Reformen gelten als wahrscheinlich.
„Erbschaftsteuerreform – nicht ideologisch, sondern verfassungsfest und gesellschaftlich gerecht.“
Fazit: Die richtigen Hebel statt falscher Debatten
Die zentrale Erkenntnis lautet nicht „mehr Steuern“, sondern bessere Steuerpolitik: Vollzug stärken, Arbeit entlasten und die Erbschaftsteuer reformieren.
„Nicht gegen die Reichen. Sondern für ein gerechtes System.“



