Gedanken und Impulse

Steuerschätzung 2026 – Präzise Prognosen, aber über 100 Milliarden bleiben unsichtbar

Steuerschätzung 26: Gegenüberstellung von Mindereinnahmen von 17,8 Mrd. Euro und geschätztem Steuerbetrug von 100 Mrd. Euro, die verschwiegen werden.

Die 170. Steuerschätzung des Bundesfinanzministeriums vom 7. Mai 2026 zeigt vor allem eines: Deutschland kann Steuereinnahmen sehr genau prognostizieren – aber strukturelle Verluste werden weiterhin ausgeblendet.

Für das Jahr 2026 werden Mindereinnahmen von 17,8 Milliarden Euro gegenüber der Herbstprognose erwartet. Davon entfallen 6,8 Milliarden Euro auf neue gesetzliche Maßnahmen und 11 Milliarden Euro auf eine schwächere konjunkturelle Entwicklung.

Diese Zahlen sind valide, differenziert und politisch relevant. Sie bilden die Grundlage für Haushaltsplanung und wirtschaftspolitische Entscheidungen.

Die unsichtbaren Milliarden: Steuerbetrug in Deutschland

Was in der Steuerschätzung fehlt, ist eine der größten fiskalischen Herausforderungen überhaupt: Schätzungen zufolge gehen dem Staat jährlich rund 100 Milliarden Euro durch Steuerbetrug verloren.

Diese Summe taucht in keiner offiziellen Prognose auf. Sie wird nicht systematisch erfasst, nicht modelliert und nicht als feste Steuerungsgröße berücksichtigt. Damit entsteht ein strukturelles Ungleichgewicht: Wir messen Abweichungen im Milliardenbereich präzise – aber ignorieren Verluste in dreistelliger Milliardenhöhe.

Warum die Steuerschätzung an Grenzen stößt

Die Steuerschätzung ist ein hochentwickeltes Instrument – aber sie basiert auf Logiken aus einer Zeit ohne Echtzeitdaten.

In einer digitalisierten Wirtschaft entstehen steuerrelevante Prozesse in Echtzeit: Plattformökonomie, internationale Zahlungsströme und datenbasierte Geschäftsmodelle verändern die Grundlagen der Besteuerung.

Die zentrale Frage moderner Steuerpolitik lautet daher nicht nur: Wie entwickeln sich Einnahmen? Sondern: Wo gehen Einnahmen verloren – und warum?

Steuerpolitik neu denken: Vollzug vor Tarifdebatte

Die aktuelle Debatte fokussiert sich stark auf Tariffragen – also auf Entlastungen, Steuersätze und Anpassungen. Das greift zu kurz. Ein System, das strukturell Einnahmen verliert, kann durch Tarifpolitik allein nicht stabilisiert werden.

Finanzkriminalität konsequent bekämpfen

Steuerbetrug ist heute digital organisiert und hinterlässt Datenspuren. Diese müssen systematisch genutzt werden:

Spezialisierte Ermittlungsstrukturen, Künstliche Intelligenz, Datenanalyse sowie eine funktionierende europäische Zusammenarbeit sind zentrale Hebel. Entscheidend ist die Umsetzung im Vollzug – nicht die Ankündigung in politischen Programmen.

Ein digitales Steuer-Ökosystem aufbauen

Zwischen Steuerpflichtigen, Unternehmen, Banken und Verwaltung bestehen weiterhin Medienbrüche und ineffiziente Prozesse.

Ein durchgängig digitales, vernetztes System – von ELSTER bis zu Finanzinstituten – kann Daten in Echtzeit nutzbar machen, Bürokratie reduzieren und Steuerbetrug erschweren. Digitale Integration ist damit nicht nur ein Modernisierungsprojekt, sondern eine zentrale Voraussetzung für Steuergerechtigkeit.

Bürokratie, Steuern und Widersprüche

In der politischen Diskussion zeigt sich ein Spannungsfeld: Wer Steuersenkungen fordert und gleichzeitig Bürokratie kritisiert, muss den Vollzug mitdenken. Denn ineffiziente Verwaltung kostet Wachstum – oft stärker als jede Tarifänderung wirken kann.

Steuerbetrug ist ein Gerechtigkeitsproblem

Steuerbetrug in dieser Größenordnung ist kein Randthema. Er verletzt den Gleichheitsgrundsatz des Steuerstaats. Wenn sich Teile der Wirtschaft systematisch entziehen, tragen ehrliche Unternehmen und Beschäftigte die Last.

Ein funktionierender Staat braucht daher nicht nur gute Gesetze, sondern auch deren konsequente Durchsetzung.

Fazit: Was sich jetzt ändern muss

Die 170. Steuerschätzung darf nicht nur Zahlen liefern – sie muss eine Debatte auslösen. Ein moderner Steuerstaat muss:

• Steuerbetrug systematisch erfassen
• digitale Vollzugsstrukturen aufbauen
• internationale Zusammenarbeit stärken
• und den Vollzug ins Zentrum der Steuerpolitik stellen

Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir genauer messen können. Sondern ob wir bereit sind, die größten blinden Flecken endlich sichtbar zu machen – und zu handeln.

Kontakt

Presseanfragen und Austausch

Für Statements zu steuerpolitischen Themen, Interviews und Anfragen stehe ich gerne zur Verfügung. Schnell und unkompliziert. 

Florian Köbler,
DSTG-Bundesvorsitzender & UFE Präsident

Tel. 0151.229.22622 |
fk@floriankoebler.de

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